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Tilmann Waldthaler - Solo zwischen den Polen

Tilmann Waldthaler - Von der Antarktis bis in die Arktis | 1977 bis 1981, 55.000 km

Ich habe während einer Autofahrt in den Wüstengebieten Australiens einen Tourenradler getroffen. Bis dahin war mir nicht...

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Ich habe während einer Autofahrt in den Wüstengebieten Australiens einen Tourenradler getroffen. Bis dahin war mir nicht bekannt, dass es Leute gibt, die Ihre Energie durch die Fortbewegung auf einem Fahrrad verschwenden und mit Sack und Pack durch die Welt ziehen. Meine Gedanken ordneten diese Toureros eher als Verrückte, Wahnsinnige oder im besten Fall ziellose Exoten ein. Wie gesagt, bis zu dem Tag an dem ich Jean Pierre in der Wüste getroffen habe. Ruhig, mit funkelnden Augen und einer unglaublichen Ausstrahlung stand er am Straßenrand neben seinem "maßgeschneidertem Randonneur". An diesem Tag wurde mein Leben über den Haufen geworfen. Nach unserer Begegnung war mir bewusst, dass ich mindestens eine kleine Tour probieren möchte. Der Zufall hat gewollt, dass wir uns nach 7 Monaten wieder getroffen haben. Diesmal bei einem australischen BBQ in der nördlichen Stadt Darwin.

2 Jahre später war es dann soweit. Jetzt wollte ich wissen ob man durch das Radfahren verrückt oder wahnsinnig wird. Ich kaufte, beraten durch Jean Pierre ein Edelrandonneur für eine unglaubliche Summe von US$ 800.-. Diese Summe hatte ich bisher normalerweise nur in gebrauchte Autos investiert. Allerdings fühlte ich mich gar nicht so schlecht dabei.

Ich wollte meinen Lebensstil verändern. Ich brauchte kein Auto mehr, meine Lebensversicherung war nur eine Belastung, der übliche Job als Konditor hing mir zum Hals heraus. Es war Zeit etwas Neues zu unternehmen. Dass ich als stolzer Randonneur-Besitzer, gleich nach meinem 4-monatigem Arbeitsvertrag in der Antarktis mit dem Fahrrad aufgebrochen bin um die Welt zu "erfahren", war ja eigentlich gar nicht geplant. Mein Aufenthalt in der Antarktis hat sicher dazu beigetragen, die Welt in der ich lebe, aus einer anderen Perspektive zu sehen. So begann nach meiner Ankunft aus der Antarktis in Neuseeland, meine erste Reise mit dem Fahrrad. Schritt für Schritt, Tritt für Tritt fuhr ich von kürzeren Tagesetappen hinein in die Welt der Verrückten und der Exoten. Easy und unbekümmert von Etappe zu Etappe von Arbeitsplatz zu Arbeitsplatz, um die nötige Kohle zu verdienen. Vorbei an herrlichen Stränden in Australien, hoch nach Indonesien, durch Malaysia und Indien. Dort verbrachte ich 18 Monate und fuhr über 12.000 km vom südlichsten Teil des Landes bis hoch zu den höchsten Bergen der Welt. Begegnungen mit Sadhus und Menschen die sich größer als Götter fühlten aber ärmer als Bettler waren. Gefesselt durch die Ansichten, Aussichten und Einsichten zog es mich weiter durch Pakistan und dem Iran. Knapp am Tod vorbei fuhr ich dann weiter in die Türkei und durch Griechenland bis in den Norden Europas.

Am Nordkap von Spitzbergen ging meine erste, längste und schönste Fahrradtour zu Ende. Ich hatte eine tolle 4-jährige und 55.000 Kilometer lange Lehrzeit absolviert.

Name der Tour: Solo zwischen den Polen

  • Dauer von 1977 - 1981
  • Distanz 55.000 Kilometer
  • Fahrradtyp klassischer Randonneur
  • Hersteller Handmade by Lucien Crahay, Belgien
  • Fahrrad Zubehör Campagnolo
  • Fahrradtaschen Marke Eigenbau
  • Finanzierung der Reise Arbeit als Konditor und Koch
  • Arbeitsländer Antarktis, Neuseeland, Australien, Indonesien, Indien, Pakistan, Italien, Norwegen
  • Schönste Erlebnisse Treffen mit Bob Marley, Bob Dylan, Indira Gandhi, Max von Sydow
  • Aufregendstes Erlebnis Krieg im Iran, Überfall von bewaffneten Muslimen im Iran

Über den Autor

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Über Tilmann Waldthaler:

Der gelernte Koch und Konditor Tilmann Waldthaler, begegnete vor über 40 Jahren, mitten in der Wüste Australiens, einem voll mit Taschen bepackten Radfahrer. Dieses einschneidende Erlebnis, hat dem Rest seines Lebens einen roten Faden beschert, der Tilmann heute zu einem der bekanntesten und mit gut 500.000 Kilometer in den Beinen, am weitesten gereisten Tourenradfahrer der Welt macht. Der gebürtige Münchener hat seinen festen Wohnsitz heute in Australien, bereiste die letzten Jahre allerdings jeden Kontinent, inklusive Arktis und Antarktis und hat dabei wortwörtlich unglaubliches Erfahren. Er lebte lange bei Medizinmännern in Afrika, lernte Fasten in einem Kloster in Indien, was ihm das Leben rettete, als er als angeblicher Kaffeespion in der Zentralafrikanischen Republik verhaftet wurde. Er lernte seine Frau mitten in der Sahara kennen, trug sein Rad auf Schmugglerpfaden über den westlichen Himalaya, saß neben Bob Marley im Flugzeug und hatte mehr als nur einmal Malaria.

Heute beschreibt er sein Leben so:
„Ich habe so lange, so viel mit so wenig getan, dass ich jetzt fast alles, für ewig mit nichts tun kann.“

Tilmann Waldthaler brachte in der Vergangenheit unzählige Bücher über das Reisen auf dem Rad heraus.
Besonders hervorzuheben ist dabei die Geschichtensammlung „Sieh diese Erde leuchten“.
Denn es ist mehr als ein Rad Buch, mehr als ein Road-Book. Es ist eine wunderbare Liebeserklärung an die ganze Welt.

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