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Nordfriesenmädchen - Baltic Sea Circle Rallye - Etappe 1

Baltic Sea Circle Rallye 2019 - Etappe 1

Wir sind Anne und Esther, die Nordfriesenmädchen. Wir lieben das Abenteuer, das Outdoorleben, die wilde Natur, den Kick, die Roadtrips. Und wir lieben es all das gemeinsa...

Bericht

Details

Zwei Freundinnen, 7500 km, 10 Länder und unendlich viele Abenteuer beim Roadtrip durch den Norden Europas, ohne GPS und Autobahnen, in einem Auto, das älter ist als 20 Jahre: Das ist die Baltic Sea Circle Rallye 2019.

Wir sind Anne und Esther, die Nordfriesenmädchen, wir lieben das Abenteuer, das Outdoor Leben, die wilde Natur, den Kick, Roadtrips. Und wir lieben es all das gemeinsam zu erleben. Hier kommt die Geschichte von zwei besten Freundinnen und dem größten Abenteuer ihres Lebens.

In der ersten Etappe unseres Abenteuers erleben wir Höhenflüge und Niederschmetterndes. Wir bauen auf und aus, starten in Hamburg und machen wir uns auf, in Richtung Lofoten.

Es war ein Tag im Juli am Sternberger See. Ein Camping Wochenende, das Esther von Anne zum Geburtstag geschenkt hatte. Es war der Anfang vom größten Abenteuer, das wir beide je erlebt haben. Wir saßen vor unserem Zelt auf dem Campingplatz, Anne hat das Abendessen vorbereitet, Esther hat sich um Musik und Wein gekümmert. Als das Gespräch von Männern und Alltagsproblemen zu Roadtrips, Abenteuer und vollgeklebte Auto umschwang. Wir redeten darüber, dass es da diese Rallye gab. Esther war mal bei einem Start dabei und hat sofort die Rallyeluft eingeatmet und nie wieder ausgeatmet. Anne hat im Juni die Auto Kolonne am Starttag auf der Autobahn gesehen, und wurde sofort mitgesogen. Und so fing das Ganze an. Wir haben gelesen, recherchiert, Videos angeschaut, Wein getrunken, Berichte gelesen, zu Abend gegessen, weiter recherchiert, noch einmal zum Sonnenuntergang im See gebadet, und dann wieder vor unserem Zelt eingekuschelt mit der dritten Flasche Rotwein und ein paar Kerzen, als wir uns entschieden: Wir fahren nächstes Jahr die Baltic Sea Circle Rallye.

Die nächsten Nächte haben wir zusammen verbracht, weil wir einfach nicht aufhören konnten zu planen. Die Anmeldung war noch 2 Monate hin. Bis dahin sollte der Name und das Logo stehen. Aber wir suchten auch schon nach Routen und wie man sich im Falle einer Begegnung mit einem Bären oder Wolf verhalten soll. Und natürlich begann die Suche nach einem 20 Jahre alten Gefährt. Ziemlich schnell war klar: Wir wollten einen Jeep, einen Pick Up, etwas Großes; etwas, was man uns nicht zutraut. Wir waren angefixt. Wollten Schrauber und Zange selbst in die Hand nehmen und uns unser Rallyeauto bauen.

Im November haben wir uns dann einen Jeep Cherokee in matt schwarz aus dem Jahr `89 zugelegt und ihn DANGER getauft. Hinter der Windschutzscheibe baumelte ein Totenkopf, den wir liebevoll Feist Dietrich nannten. Der höhergelegte Monstertruck war unser wahrgewordener Traum. Hiermit um die Ostsee - das ist der Wahnsinn. Bei angenehmen 3 Grad in der Hamburger Werkstatt, begannen wir Danger auseinanderzulegen, um ihn dann rallyegerecht wieder zusammenzubauen. Leider kamen ein paar unverhoffte Komplikationen dazwischen. Wir gaben ihn in verschiedene KFZ Hände, um im April, gerade mal 6 Wochen vor dem Rallyestart zu erfahren, dass wir es in der Zeit und mit unseren finanziellen Mitteln nicht schaffen würden, aus DANGER ein Rallye Gefährt zu machen. Wir waren am Boden zerstört. Aber nur kurz. Denn jede Minute, die wir in unserem Selbstmitleid versanken, war eine Minute weniger, um unseren Traum doch noch zu erfüllen. Tatsächlich haben wir an keinem Tag gedacht, dass wir es nicht schaffen konnten. Aufgeben war keine Option!

Dank Hardy Leben, der die Winterversion der Baltic Sea Circle Rallye gefahren ist, und dort durch seinen unermüdlichen Einsatz, Rallye Autos bei -22°C zu reparieren, verdienten Ruhm erlangt hat, haben wir kurz nach der Hiobsbotschaft ein neues Gefährt gefunden. Etwas Sichereres. Ein Auto, welches so oft mitfährt, dass dein Ersatzteillager quasi immer in der Nähe ist. Ein VW T4 in Olivgrün. So konnte uns ja nichts mehr passieren. Wir tauften ihn liebevoll Armadillo, wie das Fahrzeug, das in unserem Lieblingsfilm Armageddon die Mission zur Rettung unseres Planeten sicherte. Was in etwa gleichbedeutend für uns und die Rallye war. Wir zogen uns unsere Raumanzüge an und starteten mit Hochdruck unsere letzten Rallyevorbereitungen. Hardy kümmerte sich liebevoll um die chirurgischen Eingriffe, um Armadillo fit für die Rallye zu machen, während wir mit Jochen vom Rallyeteam „The Beautiful Carrots“ das Innenleben unseres Spaceshuttles ausbauten.

Wir bereiteten uns ein ganzes Jahr auf 16 Tage Rallye vor. Nie im Leben haben wir gedacht, dass wir so viel Schweiß und Liebe investieren würden. Doch jeder Tropfen hat sich gelohnt. Und so kam der Tag des großen Starts immer näher.

Der Start in Hamburg

Mit einem Van, der von oben bis unten voll geklebt mit Sponsoren-Stickern war und ausgerüstet mit einem Dachzelt von 3Dog Camping, rollten diese zwei völlig überdrehten Blondinen am 15.06.2019 in ihren olivgrünen Anzügen zu Beyoncés „Who run the World?“ über die Startrampe am Hamburger Fischmarkt - ab in das größte Abenteuer ihres Lebens, auf den unvergesslichsten Roadtrip, die nördlichste Rallye dieses Erdballs - und verfuhren uns prompt noch in Hamburg. Tatsächlich können wir uns beide an keine vergleichbare Situation in unserem Leben erinnern, in der wir so aufgeregt und glücklich waren.

Wir rollten Richtung Dänemark, in unserem Van. Nach all den Ups and Downs, endlich in den Norden. Wir beide, mit 30 Playlists im Gepäck und unserem Vanlife-Traum.

DÄNEMARK

Auf der Fähre von Puttgarden nach Rodby haben wir zum ersten Mal die raue Ostseeluft eingeatmet. An Deck peitschte uns der Wind um die Ohren: „Steife Brise, geile Frise“, und wir genossen den Moment. Um uns herum waren auch andere Rallyeteilnehmer. Es war eine Aufbruchsstimmung, voller Vorfreude und Abenteuerlust. Aber es schwebte auch ein Gefühl der Gelassenheit in der Luft, weil die große Reise endlich los ging. Monatelange Vorbereitungen, schlaflose Nächte, vor allem vor dem Start, und jetzt endlich „on the road“!

Wir rollten von der Fähre runter Richtung Malmö, womit unsere Dänemark Erfahrung auch schon endete. Über die Brücke, ab ins Land Nummer 2: Schweden!

SCHWEDEN

Das friedliche Land voller Seen und Wälder, süßen bunten Häuschen und netten Menschen. Die erste Challenge unseres Roadbooks führte uns nach Ales Stenar an die südliche Spitze der Küste Schwedens. Der Superlative Adventure Club, über den die Rallyes ausgerichtet werden, stellt jedes Jahr für jede Rallye ein sogenanntes Roadbook zusammen, durch das die Rallyeteilnehmer mit der Kultur und den Einheimischen der jeweiligen Länder in Kontakt treten müssen. Jeden Tag gibt es eine Aufgabe, die mehr oder weniger auch die Route vorgibt. Am ersten Tag stand die Wikinger Taufe auf dem Programm. Als Vikings-Fans ein absolutes Muss für uns. Hierfür sind wir zu einem Wikinger Denkmal gewandert, das auf einer Steilküste errichtet wurde. Über Wiesen, durch Kuhherden und mit einigen Windböen erreichten wir also diesen Steinkreis.

Die Kulisse war atemberaubend schön. Die untergehende Sonne drückte sich durch die dicken Wolken und die weiten Felder wurden in ein rosa-gelbes Licht gehüllt. Das Grün der Felder leuchtete und die Weite der Ostsee fühlte sich unendlich und mächtig an.

Nachdem wir dieses romantische Naturschauspiel genossen haben, machten wir uns an die Challenge - die Wikinger Taufe. Man nehme einen schwedischen Ast, dänischen Sand, „Schweden Eisen“, Ostseewasser und stapelt diese Dinge auf dem Rücken des werdenden Wikingers, der auf allen Vieren neben einem Stein hockt und lässt ihn einmal um den Stein krabbeln. Fertig!

Die Szenerie war einzigartig skurril. Man stelle sich vor, wie etwa 30 Menschen im friedlichen Sonnenuntergangslicht um Steine herumkrabbeln, während neben ihnen die wilden Kühe genüsslich ihr Gras kauen. Nur ein Bild unserer 16-tägigen Reise um die Ostsee, dass wir nicht vergessen werden.

Auf dem Rückweg liefen wir durch verwachsene Feldwege und Mohnblütenfelder, die durch das lila Licht aussahen, als würden wir durch einen wahrgewordenen Traum laufen. Wir suchten uns das erste Plätzchen für die Nacht in unserem Dachzelt. Da wir im Land des „Jedermannsrecht“ waren, war uns klar, dass wir nur wildcampen würden. In einer kleinen Lichtung im Wald schlugen wir das erste Lager auf. Das Jedermannsrecht (‚Allemansrätt‘) gibt dir das Recht, dich in der skandinavischen Natur frei zu bewegen und zu schlafen. Nur einer der Gründe, weshalb man hier hin auswandern sollte.

Aus frisch gemahlenen Kaffeebohnen brühten wir unseren Wachmacher in einer French Press und bereiteten uns auf den zweiten Rallye Tag vor. Weiter gen Norden, ohne GPS und Autobahnen, lediglich eine überdimensional große Karte sollte uns den Weg weisen. Anne fuhr, Esther navigierte. So lief es die meiste Zeit der Rallye.

Unser nächstes Etappenziel war der Wald von Kyrkö Mosse. Dort hat ein Mann einen Autofriedhof errichtet. Oder alte Autos in den Wald gestellt und vergammeln lassen. Wir wussten beide nicht so recht, ob das jetzt ein Andenken war, oder viel Blech und Rost. Auf jeden Fall besagen Legenden, dass ein vergammelter Bus in diesem Wald der ehemalige Tour Bus der schwedischen Band ABBA ist. Wir sind bekennende ABBA Fans und haben zu gerne die Tageschallenge mit einem Foto in diesem Bus abgeschlossen.

Danach hatten wir nur noch ein Ziel: möglichst bald einen See zum Baden finden. Da wir uns schon vor der Rallye darauf einigten, keine Campingplätze anzufahren, machten wir Seen zu unserem täglichen Hygieneritual. Und das war wunderbar. Wir fühlten uns lebendig und frei. Und hatten immer noch so viele Tage mit diesem Gefühl vor uns.

Die Nacht verbrachten wir an einem kleinen abgelegenen See zwischen den größten Seen Schwedens: Vännern und Vättern. Wir fanden diesen Camping Spot zufällig, als wir einen Weg durch den Wald erahnten, der zu einer kleinen Lichtung mit See und Steg führte. Als wir unser Nachtlager mit einem anderen Rallyeteam errichteten, drückte sich wie am Tag zuvor die Sonne durch die dicken Wolken und der See spiegelte den riesigen Wald auf der Wasseroberfläche wider. Unser Camping Spot war in ein einzigartiges Licht aus blau, gold und rosa gehüllt. Man fühlte die Natur und wurde immer gelassener. 

Nach dem Baden bereitete Anne ein wunderbares Abendessen für sechs Leute in unserer Küche im Van vor. Ein Rallyeteilnehmer nutze die Gelegenheit und angelte. Wir tranken Wein und freuten uns über diesen besonderen Campingspot und die Sonne, die uns in der Abenddämmerung wärmte. Bereits jetzt merkte man, dass man sich kurz vor der Mittsommerwende auf der Nordhalbkugel befindet. Die Dämmerung dauerte ewig und so richtig dunkel wurde es doch nicht.

Gemeinsam haben wir auf dem Steg gegessen und angestoßen, auf diesen grandiosen Abend, der immer besser werden sollte. Mit vollgeschlagenen Mägen beschlossen wir, das Boot am Ufer zu kapern und eine Runde über den See zu schippern. Nachtbaden, Musik, ausgelassene Stimmung und immerzu kleine Bootfahrten machten diesen Abend zu einem der schönsten während der gesamten Rallye. Wir fühlten uns überschüttet von positiven Emotionen und waren so dankbar für die Momente, die wir bis zu diesem Zeitpunkt bereits erleben durften.

Nach einer sehr kurzen Nacht mit ein bisschen zu viel Wein und Gin, erfrischten wir uns mit einer Morgendusche im See, bereiteten Frühstück für unterwegs vor und rollten in bayrischer Lederhose weiter Richtung Norden. Tag Nummer drei und der letzte Tag in Schweden. Schon jetzt merkten wir, dass es absolut keinen Sinn machte, irgendwas zu planen. Wir wussten nicht, wie weit wir kommen würden, wo wir schlafen würden, was wir essen würden, wen wir treffen würden. Spontanität war das Zauberwort.

Also fuhren wir spontan weiter durch die friedliche Natur Schwedens und durch kleine, verträumte Dörfer. Unsere Aufmerksamkeit wurde immer wieder auf kleine Schilder am Straßenrand gelenkt. „Löppi“. Was für ein süßes Wort. Und was ist so ein Löppi eigentlich? Nach dem vierten Schild hielten wir an und gingen unserem neuen Lieblingswort auf die Spur. Ein Löppi ist ein kleiner, einfacher Flohmarkt drinnen oder draußen, auf dem man Krims Krams und Antikes kaufen kann. Die Schweden sind halt einfach ein niedliches Völkchen.

Die heutige Challenge sollte uns für einige Zeit trennen. „Car Pool Switch“ war angesagt. Und jetzt erzählen wir euch ein kleines Wunder. Schon vor dem Start haben wir ein Team kennengelernt, das den ersten Unimog durch die Sommerrallye lenken würde. Wir stehen auf große Autos und mächtige Räder (RIP DANGER) und haben uns nichts sehnlicher gewünscht, als einmal UNIMOG zu fahren. Was sind wir nur für Glückspilze. An einem sonnigen Straßenrand mitten in Schweden stand er. Wir hatten zu diesem Zeitpunkt seit mehreren Stunden kein anderes Rallye Auto gesehen. Und dann fahren wir in die großen Arme dieses wunderschönen Autos. DANKE LEBEN!

Völlig überdreht sprangen wir aus Armadillo und forderten den sofortigen Beifahrerwechsel. Die Männer waren überrascht, fanden es aber auch sehr witzig. So fuhren wir den restlichen Tag mit dem Unimog Team durch Schweden. Es war ein bisschen wie fliegen, von soweit oben den Überblick über jedes Auto zu haben, auf gleicher Höhe mit den Vögeln in den Bäumen und LKW-Fahrern, die einem entgegenkamen.

Wir fuhren Richtung Örebro, in die Nähe der norwegischen Grenze. Die Natur veränderte sich spürbar. Die Sonne stand länger tief, die Wälder wurden nadeliger und Felsen gröber. Die Straßen waren lang und verträumt. Esther fuhr irgendwann mit Blues Musik und JP in Armadillo, während Heiko mit Anne im Unimog fuhr und sich Geschichten über Adler, Bienen und Pilze sammeln erzählten. Esther studierte die Karte und navigierte voraus, an einen wunderschönen See, über dem gerade die Sonne versuchte unterzugehen. Eigentlich verschwand sie nur kurz hinter den mächtigen Bergen am Horizont. Wir waren schon so weit nördlich, dass es nicht mehr richtig dunkel wurde. Es war eine sechsstündige Dämmerung. Der See ruhte in sich. So wie wir. Unsere Blicke verloren sich in der Szenerie des Abendlichts und wurde nur durch die wagemutigen Sprünge von Fischen unterbrochen.

Hier mussten wir unsere tägliche See-Dusche leider ausfallen lassen, da aus unerklärlichen Gründen die Temperatur so rapide sank, dass wir im Minutentakt eine Schicht Klamotten mehr anziehen mussten. Wir waren noch nicht mal am Polarkreis und froren dennoch wie in der Arktis. Gefühlt. Andere Rallyeteilnehmer, nur 30 km von uns entfernt, klagten über Mückenschwärme, die das Rausgehen unmöglich machten. Aber nicht über Kälte.

Am nächsten Morgen windeten wir uns aus unseren zehn Schichten Klamotten, als die Sonne auf das Dachzelt zielte und die Wärme in uns hochschoss. Es waren noch 60 Kilometer bis zur norwegischen Grenze und eine Challenge war noch zu erledigen. Wir mussten eine Dose Surströmming kaufen, öffnen, und 200 km im Auto transportieren. Kleine Info zu dieser schwedischen Delikatesse: Surströmming (schwedisch „saurer Hering“) ist eine schwedische Fischspeise, die durch Säuerung konserviert wird. Sie riecht „intensiv; faulig und stinkend“. Manch einer hat vielleicht schon mal ein Video auf YouTube gesehen, wie Menschen an diesem Fisch riechen und unmittelbar einen extremen Würgereiz verspüren. Wir waren tatsächlich sehr gespannt auf diesen Geruch.

Kurz vor der Grenze fanden wir den süßesten kleinen Supermarkt und kauften diese gelb-rote Dose inklusive Dosenöffner, den wir nicht verstanden und deswegen einen freundlichen Schweden auf seiner Veranda um Hilfe gebeten haben. Ok. Es ging los. Wir zogen den Deckel zur Seite und nahmen beide eine Nase... Hm. Wir wollen nicht angeben, aber... Das haben wir uns viel schlimmer vorgestellt! Natürlich riecht es nicht angenehm. Aber manch Fischgeruch an irgendwelchen Häfen ist um einiges schlimmer. Ab ins Auto mit dem Surströmming und ab über die Grenze, hinein in das Land der Berge, Wasserfälle und Trolle: Norwegen!

NORWEGEN

Die ersten 100 Kilometer durch Norwegen waren wir fast allein. Eventuell kamen uns zwei Auto entgegen, die wir aber kaum bemerkten. Die Straßen waren endlos. Die Berge riesig. Durch die Schmelze entstanden überall Wasserfälle. Ein atemberaubendes Spektakel der Natur. Man merkte sofort, dass man hier in einem neuen Land war. Wir nutzten viele Gelegenheiten, um über Felsen zu klettern und einen Blick auf einen neuen Wasserfall zu erhaschen. Tatsächlich waren sie hier im Gegensatz zu dem, was wir noch erleben würden, recht klein. Dennoch, wieder ein wunderbares Gefühl im Einklang mit der Natur.

Der heutige Weg war einer der längsten. Wir hätten unsere Nerven wohl verloren, wenn wir nicht immer wieder durch die Natur entschädigt worden wären. Denn es war auch einer der schönsten Wege während der Rallye. Unser heutiges Ziel: Bodö. Von dort aus sollte es mit der Fähre weiter auf die Lofoten gehen.

Auf dem Weg über den Arctic Circle machten wir eine der unvergesslichsten Erfahrungen unseres Lebens. Ja, wir können das so sagen, weil wir es wirklich so gefühlt haben. Die Straße durch den Norden Norwegens hat sich so in unser Herz gebrannt, dass wir sie nie vergessen werden. Es gab nichts Bestimmtes. Nur das Hier und Jetzt, nur die Straße, wir beide, und die unberührte arktische Natur um uns herum.

Die Landschaft war wild, sie war rau. Ungebändigt und wunderschön. Endlos und fremd. Wir waren ehrfürchtig und dankbar, diese Natur erleben zu können. Das Gefühl war wie eine wilde Welle, die uns bewegte und dennoch in diesem Moment innehalten lies. Wir spürten, dass wir sehr weit über dem Wasserspiegel waren. Hier und da türmten sich kleine Schneehügel in den Kuhlen der felsigen braunen Landschaft. Am Horizont erstreckten sich massive Bergketten, deren Spitzen vom Schnee bedeckt waren. Einige Sonnenstrahlen schafften es durch die Wolkendecke und hüllte die kühle Natur in ein wärmendes Licht. Die Luft war eisig und klar. Wir stellten uns in die Mitte dieser leeren endlosen Straße und genossen den unendlichen Moment voller Gefühle, die wir so nicht kannten.

Unsere Körper waren voller Euphorie und Glückshormone. Wir wollten mehr erleben. Immer mehr. Wir fuhren weiter in Richtung der Berge und sahen von der Straße aus, eine Hängebrücke über einem wilden Fluss. Die Wassermassen tobten unter unseren Füßen hindurch. Unser Gedanke: Wir sind so weit oben... das Wasser muss von irgendwo herunterfallen. Wo ist der Wasserfall? So rollten wir mit Armadillo weiter, der Surströmming war zu diesem Zeitpunkt übrigens schon seit 6 Stunden in unserem Auto. Aber man gewöhnt sich halt an alles.

Wir suchten nach dem Wasserfall, stolperten Trampelfade hinunter, sprangen über Felsen und landeten schließlich wieder an dem wilden Fluss. Das Wasser leuchtete an manchen Stellen türkisblau, an anderen sprudelte der weiße Schaum. Im Hintergrund ruhte eine dunkelgrüne Wand aus Tannen und dahinter türmten sich die massiven steilen Berge. Wir verweilten einen Augenblick, um die Eindrücke der letzten Stunden auf uns wirken zu lassen und nahmen die letzte Etappe in Angriff.

Jetzt ging es im goldenen Sonnenlicht der nicht untergehenden Sonne über die Berge an friedlichen Fjorden entlang, durch die Felsen, hoch und runter. Man kann es nicht beschreiben. Man muss es erleben. Und ein jeder würde sich so schlagartig in die wilde Natur verlieben wie wir.

Nachdem wir uns noch einmal verfahren haben, aber dafür mit einem riesigen Elch die Straße teilen durften, stellten wir uns an der Autoschlange für die Fähre auf die Lofoten an. Ausschließlich Rallye Autos reihten sich hier ein. Die einen versuchten zu schlafen, die anderen feierten wilde Partys auf den leeren Spuren, weitere schraubten an ihren Autos und noch andere tranken einfach gemütlich ihr Bier. Es war fast Mitternacht und immer noch taghell.

Wir gesellten uns zu einer Truppe Männer: Die Teams Wartburgpiloten und Baltic Fire. Ja, diese Rallye wird prozentual von Männern dominiert. Wir zählten bei 280 Teams nur drei andere reine Frauen Teams. Es wurde Kaffee aufgebrüht, von unseren Abenteuern der letzten Tage erzählt und währenddessen warteten wir auf die nächste Fähre, die um drei Uhr nachts ablegen sollte.

Als vorletztes Auto rollte Armadillo über die Verladerampe. Ein Glück! An Deck genossen wir die Szenerie der „nächtlichen“ Dämmerung über Bodö und schliefen Fuß an Fuß auf einer Bank ein. Es gab auch noch andere freie Bänke, aber wir wollten lieber beieinander sein auf dem Weg zu unserem persönlichen Highlight Ziel: die Lofoten!

- Hier entlang zu Etappe 2 -

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Über die Nordfriesenmädchen:

Wir sind Anne und Esther. Beste Freundinnen seit 2007 und für immer. Ist ja klar. Wir kennen uns aus der Schule, sind Inselkinder von Sylt und an der Küste aufgewachsen. Heute leben wir beide in Hamburg, nutzen jedes freie Wochenende, um in die Natur zu entfliehen, cruisen zu den schönsten Ecken Norddeutschlands und gehen manchmal mit Absicht verloren, um noch schönere zu finden. Wir lieben Roadtrips, wir lieben Abenteuer, die Natur, das Ungewisse und neue Herausforderungen. Und das wichtigste: Wir lieben uns und das alles gemeinsam zu erleben.

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