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Christopher Many - Reisekasse

Was kostet eine Weltreise? von Christopher Many

„Was kostet eine Weltreise?“, ist die häufigste Frage, die mir als Langzeit-Nomade und Autor gestellt wird. Das ist verständlich, denn dummerweise braucht ma...

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„Was kostet eine Weltreise?“, ist die häufigste Frage, die mir als Langzeit-Nomade und Autor gestellt wird. Das ist verständlich, denn dummerweise braucht man gewisse Finanzmittel, wenn man um die Welt fährt, es sei denn, man will unterwegs arbeiten. Wie viel Langzeitreisende ausgeben, ist jedoch ganz verschieden, und meine Unkosten sind nicht direkt übertragbar. Alle Overlander haben unterschiedliche Wünsche und Bedürfnisse.

Aber gut: auf meiner ersten Motorradweltreise von Europa nach Neuseeland (1997 bis 2000) habe ich 15.000 Euro ausgegeben, damals noch die entsprechende Summe in Deutscher Mark. Die Reise dauerte knapp vier Jahre, was durchschnittliche Ausgaben von 340 Euro pro Monat ergibt. Meine achtjährige Weltumrundung mit dem Land Rover (eine alte Serie III, Baujahr 1975) zwischen 2002 und 2010 kostete 50.000 Euro oder 520 Euro pro Monat.
Auf meinem dritten Trip – eine sechsjährige Motorradreise von Deutschland nach Australien (2012 bis 2018) – da habe ich 36.000 Euro oder durchschnittlich 500 Euro pro Monat benötigt. Und jetzt bin ich mit einem Mercedes 308D Postkögel in Europa unterwegs, und scheine mit 550 Euro/Monat gut klarzukommen.

Helfen diese Angaben, um Deine eigenen Reisekosten vorab zu schätzen? Nicht wirklich. Zum einen wird die Welt (und das Reisen) immer teurer – die globale Inflationsrate liegt ungefähr bei 2,8%, und meine Zahlen aus 1997 oder gar 2010 müssten auf 2019 angepasst werden. Zum anderen kenne ich Euren Reisestil nicht. Werdet Ihr ein Jahr lang in Nordamerika unterwegs sein, oder vier Jahre in Afrika? Wollt Ihr die Reise mit dem Fahrrad, Motorrad, 4x4 oder KAT-Truck antreten?

 

 
 

Um die Kosten für Eure eigene Reise abzuschätzen, kann man sich die folgenden 13 Fragen stellen:

(1) Welche Länder werdet Ihr besuchen?
Die Ausgaben für den täglichen Bedarf wie Essen und Benzin schwanken stark von einem Land zum anderen. Solltest Du knapp bei Kasse sein, solltest Du in teuren Ländern vielleicht Abstriche an Deiner gewohnten Lebensweise machen oder dort weniger Zeit verbringen.

(2) Wie oft musst Du zwischen den Kontinenten fliegen und Dein Fahrzeug verschiffen?
Jede Verschiffung des Fahrzeugs reißt ein gewaltiges Loch in den Geldbeutel. Besonders dann, wenn Du mit einem 6x6 KAT Truck fährst …

(3) Für welche Länder werden Visa oder Visaverlängerungen benötigt?
Nicht überall erhält man Visa gratis an der Grenze. Westafrika ist z.B. besonders teuer, weil man auf dem Weg nach Süden rund ein Dutzend kleiner Länder durchqueren muss. Ostafrika ist günstiger.

(4) Fährst Du Solo, als Paar oder in einer Gruppe?
Die größten Einsparmöglichkeiten hat, wer mit Partner(n) in einem Fahrzeug unterwegs ist, mit dem (denen) er sich die Kosten für Sprit, Transport, Ersatzteile, Unterkunft und Carnet de Passage teilen kann.

(5) Wie lange wirst Du unterwegs sein?
Die Ausgaben für Treibstoff, Visa, Verschiffung und Flüge machen einen Großteil der Gesamtkosten einer Weltreise aus. Dieser Anteil an der Gesamtsumme ändert sich nicht, gleich ob Du Deine Reise nach einem oder nach zehn Jahren beendest. Worauf Du aber Einfluss hast, sind die Kosten pro Jahr.
Angenommen, ein Overlander, der mit dem Motorrad von Europa nach Australien fährt, legt 50.000 Kilometer zurück. Wenn sein Bike sechs Liter auf 100 Kilometer verbraucht und der Spritpreis im Durchschnitt einen Euro pro Liter beträgt, muss er allein für Benzin 3000 Euro rechnen. Die Genehmigung für eine Fahrt durch China kann mit 2000 Euro veranschlagt werden, die Kosten für die übrigen Visa mit 700 Euro und die für die Verschiffung von Indonesien nach Darwin zusammen mit dem Flug für ihn selbst nochmals mit 1000 Euro. Insgesamt macht das 6700 Euro, was für eine einjährige Reise eine stolze Summe ist.
Lässt es der Overlander aber so gemächlich angehen, dass er vier Jahre unterwegs ist, sinken die durchschnittlichen jährlichen Ausgaben auf 1675 Euro. Dazu kommen nur noch die Kosten für Verpflegung, Unterbringung und Versicherungen, die zur Reisedauer proportional sind. In der Summe ist eine vier Jahre dauernde Fahrt mit dem Motorrad also nur etwa doppelt so teuer wie eine einjährige und nicht viermal!

(6) Wie viel Treibstoff verbraucht Dein Fahrzeug?

(7) Wie hoch ist Dein persönlicher Treibstoffbedarf?
Wie gut tut doch ein Bier nach (oder während) einer Safarifahrt durch die Serengeti! Und wer kann schon einer 650-Milliliter-Flasche Beer Lao in Vientiane widerstehen, wenn sie nicht einmal einen Euro kostet? Nur summiert sich das, und bald wundern sich viele Overlander, warum ihr Geld nicht mehr für ein weiteres Reisejahr ausreicht.

(8) Wie oft wirst Du wild, das heißt gratis, zelten und übernachten?
In Argentinien, Bolivien, der Mongolei und Namibia … warum nicht ständig? In diesen und vielen anderen Ländern können die Ausgaben für Übernachtungen auf null gesenkt werden.

(9) Willst Du jede Attraktion mitnehmen oder teure Abenteuerangebote nutzen?
In Tansania auf den Kilimandscharo zu steigen, in Thailand einen PADI-Tauchkurs zu machen und 20 Bungee-Sprünge in Neuseeland zu absolvieren wird Tausende kosten. Überlege daher gut, in was Du investieren willst.

(10) Wirst Du selbst kochen oder meist in Restaurants essen?
Ob und wie man beim Essen Geld sparen kann, hängt vom jeweiligen Land ab. Im Allgemeinen ist es am günstigsten, selbst mit regionalen Produkten zu kochen, aber nicht immer. Was man auch macht, es ist unmöglich, für zwei Euro ein äthiopisches Essen auf dem Benzinkocher zu bereiten. In einem Injera-Restaurant in Addis Abeba wird diese Summe das Höchste sein, was auf der Rechnung steht.

(11) Bist Du ein guter Mechaniker?
Früher oder später macht Dein Fahrzeug schlapp. Dann stellt sich die Frage, ob Du die Reparatur selbst machen kannst oder ob Du einen Mechaniker dafür bezahlen musst.

(12) Welche Versicherungen und Reisepapiere hältst Du für notwendig?
Einige Dokumente sind auf jeder Weltreise unverzichtbar, andere nur auf bestimmten Routen, ein paar sind ratsam (aber fakultativ), alles Übrige ist Geldverschwendung. Immer braucht man für Grenzübertritte einen Reisepass und die Fahrzeugdokumente. Ebenso unabdingbar ist der Führerschein des Heimatlandes und dazu entweder ein internationaler Führerschein oder eine beglaubigte Übersetzung des Originals.
Einige Länder verlangen ein Carnet de Passage, und in manchen muss man an der Grenze eine Kraftfahrzeugversicherung abschließen. Nicht immer vorgeschrieben ist eine Auslandskrankenversicherung, aber meiner Meinung nach wäre es leichtfertig, ohne sie wegzufahren.
Einen Zweitpass zu besitzen ist vorteilhaft, und unter Umständen lohnt sich auch eine ADAC-Mitgliedskarte, und zwar nicht nur, weil man mit ihr für das Carnet de Passage einen Rabatt erhält. Der ADAC übernimmt dann auch Kosten für Rechtsstreitigkeiten, zum Beispiel wenn Dein Fahrzeug von korrupten Zollbeamten beschlagnahmt wurde. Alle Dokumente außer den bisher erwähnten sind wahrscheinlich ihr Geld nicht wert.

(13) Wie oft wird man Dich ausrauben?
Hoffentlich nie. Es ist mehr als ärgerlich, wenn einem dreimal im Monat Digitalkamera und Pass gestohlen werden.

Welche Antworten hast Du gegeben?

Mein „Reise-Stil“ ist eher minimalistisch – mit derzeit 550 Euro/Monat kann ich mir in Europa nicht viel Luxus leisten. Aber ich bin glücklich. Ich habe genug zum Essen, ein gemütliches Wohnmobil-Bett, genug Diesel-Geld um zirka 1000km im Monat fahren zu können, ich habe meine Laura als Partnerin, und ich habe Freunde – was sollte ich mehr wollen?

Solltet Ihr mein Budget von 6600 Euro im Jahr für sehr gering halten, glaubt mir, es gibt Reisende, die von sehr viel weniger leben. Einige verlassen Europa mit nur einer Handvoll Euro, aber mit einem Kopf voller Träume, und sind entschlossen, sich von Land zu Land im wahrsten Sinne des Worts voranzuarbeiten. Man trifft sie hie und da, wenn sie auf Zeltplätzen kunsthandwerkliche Artikel herstellen, an Schulen Englischkurse geben, bei der Obsternte helfen oder an Hotelrezeptionen arbeiten. Ihre Einkünfte sind im Allgemeinen mager, aber sie kommen damit aus, fahren per Anhalter, machen Couchsurfing oder „Dog-and-House-sitting“, genießen die Gastfreundschaft vor Ort und können so fast unbegrenzt überall unterwegs sein. Ebenso verhält es sich mit „Digital Nomads“. Fazit: auch wenn Du gar kein Geld gespart hast, soll das nicht Deinen Ehrgeiz bremsen, die Welt zu sehen.

 
 

Wer als Overlander mit einem Fahrzeug reisen möchte, sollte natürlich ein bisschen mehr auf dem Konto haben. Mit der Anfertigung netter Lederwaren wird man nämlich keine großen Mengen Benzin verdienen können. Aber auch hier gibt es Lösungen. Wenn das gesparte Geld gerade für einen Monat reicht – das heißt bis Griechenland, aber nicht bis in den Fernen Osten – dann kann man in Etappen um die Welt reisen. Viele Leute reisen so lange, bis sie fast pleite sind. Dann parken sie ihren Camper oder ihr Motorrad auf einem vertrauenswürdigen Zeltplatz oder (am besten in einem Land mit liberalen Zollbestimmungen) in einer Garage und fliegen heim nach Europa, um Geld zu verdienen. Wenn ihr Konto dann wieder gut aussieht, kehren sie dorthin zurück, wo sie die Reise unterbrochen haben, lassen den Motor an und beginnen die nächste Etappe. Das ist auch für all die eine gute Lösung, die ihren Job behalten wollen und nur in ihren sechs Wochen Urlaub reisen. In fünf Etappen und fünf Jahren kannst Du leicht von Kairo nach Kapstadt oder von Alaska nach Patagonien fahren. Nicht jede Fernreise muss in einem Stück über acht Jahre gehen.

Die zweite Möglichkeit ist die, die Laura und ich gewählt haben. Laura verdient ihr Geld während der Fahrt als digitale Nomadin, indem sie Online-Artikel für Reiseseiten schreibt. Fünf Tage Arbeit im Monat genügen, um 550 Euro einzunehmen. Dank Internet können Reisende heutzutage als Onlineübersetzer, IT-Berater oder Webdesigner nach westlichen Standards Geld verdienen – es gibt da jede Menge Dinge, die machbar sind. Ich dagegen verdiene mein Geld ausschließlich als Schriftsteller. Für jedes verkaufte Exemplar von „Hinter dem Horizont links“ oder „Hinter dem Horizont rechts“ erhalte ich vom Verlag etwa einen Euro, mit dem ich mir eine Tasse Kaffee in Spanien kaufen kann, oder aber 0,75 Liter Diesel (und damit knapp 8km weiter Richtung Marokko fahren kann). Tja … betrachtet man die „Forbes List of Wealthiest People on the Planet“, so stellt man mit Befremden fest, dass unter denen kein Reiseschriftsteller ist.

Für eine genaue Auflistung meiner Ausgaben derzeit in Europa ist es noch zu früh – wir sind erst seit wenigen Monaten wieder auf Achse. Mein Motorrad-Budget zwischen Deutschland und Australien (6000 Euro pro Jahr, 500 Euro pro Monat oder 16,40 Euro am Tag) kann ich Euch aber gerne zeigen. Diese Summe (Geld, das auch Laura für sich aufbringen musste), hat sich auf unserer 48.000 Kilometer langen Fahrt nach „Oz“ in den ersten vier Jahren wie folgt aufgeteilt:

– Ausgaben für Verschiffungen/Flüge: 1300 Euro
– Ausgaben für Visa: 730 Euro
– Ausgaben für die Beschaffung der China-Permits: 2000 Euro
– Ausgaben für Carnets de Passage: 241 Euro
– durchschnittl. Ausgaben für Benzin pro Monat: 56 Euro
– durchschnittl. Ausgaben für Übernachtungen pro Monat: 82 Euro
– durchschnittl. Ausgaben für Essen, Trinken, kleine Einkäufe pro Monat: 200 Euro
– durchschnittl. Ausgaben für Ersatzteile, Motoröl etc. pro Monat: 15 Euro
– durchschnittl. Ausgaben für Krankenversicherung pro Monat: 58 Euro

Anschließend sind wir knapp zwei Jahre in Australien geblieben – bis Juni 2018 – um den „roten Kontinent“ auf zwei Rädern zu umrunden. Auch dort kamen wir jedoch mit 500 Euro/Monat pro Person aus, obwohl die Lebenshaltungskosten in Australien relativ hoch sind. Wo ein Wille ist, ist auch (fast) immer ein Weg. Ich wünsche Euch gute Fahrt!
Christopher

…..

Um mehr Infos über die Reisen und die künftigen Projekte von Christopher Many zu erhalten, besuche entweder seine Website (www.christopher-many.com) oder nehme direkt mit dem Autor über die Facebook-Seite seines Buchs Kontakt auf (www.facebook.com/Hinter.dem.Horizont.links).

Christopher Manys Horizonte-Serie begann mit seinem Debüt „Hinter dem Horizont links – Acht Jahre mit dem Land Rover um die Welt“, das am 4. Juli 2011 im Verlag Delius Klasing erschien. Die englische Ausgabe mit dem Titel „Left Beyond the Horizon – A Land Rover Odyssee“ kam am 4. Dezember 2015 auf den Markt. Sehbehinderte können über BLISTA und die Deutsche Zentralbücherei für Blinde in Leipzig ein Exemplar in Braille bestellen. Denn der Autor möchte, dass jeder die Möglichkeit hat, auf literarischem Weg die Welt zu entdecken. „Hinter dem Horizont rechts“ ist das zweite Buch der Serie und wurde im September 2016 erstmals veröffentlicht, gleichzeitig auf Deutsch und Englisch (englischer Titel: „Right Beyond the Horizon – A Motorcycle Odyssee“). Es ist neben der Druckversion auch als E-Book (Kindle, PDF und ePub) in deutscher und englischer Sprache in jeder Buchhandlung oder bei Amazon.de erhältlich.

Über den Autor

Über den Autor

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Über Christopher Many:

Christopher Many, 1970 als Sohn eines US-amerikanischen Vaters und einer deutschen Mutter in New York geboren, hatte schon immer ein sehr spezielles Geschick, Konventionen zu umschiffen und seiner eigenen Traumroute zu folgen. Mehr als alles andere reizte ihn das, was »hinter dem Horizont« liegt. Nach einer Bootsbauerlehre in Bayern fuhr er Hand gegen Koje auf einem Segelboot über den Atlantik. Abwechselnd arbeitend und reisend, erforschte er mit wenig Geld in der Tasche die Karibik, Asien, Europa und Australien.

1997 startete Christopher zu seiner ersten großen Motorradfahrt auf Puck, seiner Yamaha 660 Ténéré, die ihn von Deutschland über Indien nach Neuseeland führte. Knapp vier Jahre später kehrte er nach Europa zurück und fand Arbeit in Schottland, um auf sein nächstes Unternehmen, eine Weltumrundung in einem altersschwachen Land Rover, zu sparen. Mit dem Landy, den er von einem Highland-Bauern für umgerechnet 1000 Euro erworben hatte und Matilda taufte, bereiste er zwischen 2002 und 2010 rund 100 Länder. Sein Buch über diese Reise, Hinter dem Horizont links, erschien 2011 und wurde zum Bestseller. 2012 schwang sich Christopher wieder auf Puck und machte sich zusammen mit seiner Partnerin Laura Pattara auf eine sechsjährige Fahrt von Deutschland nach Australien. Hinter dem Horizont rechts erzählt von diesem neuen Abenteuer (Erscheinung: September 2016).

Seit 2018 ist der Autor und Dauernomade mit einem Mercedes 308D Postkögel in Europa unterwegs. An Sesshaftigkeit denkt Christopher bei weitem nicht, denn – wie er immer wieder behauptet: »Wir wohnen auf einem wunderbaren und merkwürdigen Planeten, und es gibt noch so viel zu entdecken«.

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